Strategy Leadership Economics Jan. 1, 2009

Lek­tio­nen aus dem Golfsport

Die Konkur­renz mit Super­stars hat neg­a­tive Auswirkun­gen auf die Leistung

Based on the research of

Jennifer Brown

Stren­gen sich die Her­aus­forder­er mehr an oder schmeißen sie das Hand­tuch wenn sie auf einen Tiger Woods oder Michael Phelps tre­f­fen? Man­ag­er schaf­fen oft interne Wet­tbe­werb­ssi­t­u­a­tio­nen um Mitar­beit­er zu motivieren, aber neue Forschungsergeb­nisse zeigen, dass ein Super­star tat­säch­lich die Pro­duk­tiv­ität ein­er Gruppe eher beein­trächti­gen als steigern kann. In ein­er neuen Studie fand Jen­nifer Brown vom Insti­tut für Man­age­ment und Strate­gie der Kel­logg School her­aus, dass, während Wet­tbe­werb unter gle­ich­w­er­ti­gen Konkur­renten förder­lich sein kann, große Unter­schiede in den Fähigkeit­en die Bemühun­gen der Wet­tbe­wer­ber her­ab­set­zen und dadurch kon­trapro­duk­tiv sind.

Bedenken Sie zweier­lei Szenar­ien aus dem Sport“, erk­lärt Brown. Im ersten tre­f­fen Sie auf einen ähn­lich tal­en­tierten Rivalen und sind motiviert, sich in Bezug auf Ihre reg­uläre Moti­va­tion mehr anzus­tren­gen da reale Aus­sicht­en auf einen Sieg beste­hen. Im zweit­en Szenario tre­f­fen Sie auf einen sehr trainierten Profis­portler und Ihre Gewin­n­chance ist sehr niedrig. Wet­tbe­werb ist kost­spielig und es beste­ht immer das Risiko, einen Muskelkater zu bekom­men. In diesem Fall wer­den Sie sich wahrschein­lich im Wet­tbe­werb weniger anstren­gen. Die Anwe­sen­heit eines Super­stars hält Sie also davon ab, mit vollen Kräften am Wet­tbe­werb teilzunehmen“.

In ihren Aufze­ich­nun­gen bemerkt Brown, dass es im Zusam­men­hang mit tournier­ar­ti­gen Wet­tbe­wer­ben viele Beloh­nungsmuster gibt: Fir­men belohnen ihren besten Ver­trieb­smi­tar­beit­er; Assis­ten­zpro­fes­soren konkur­ri­eren um eine begren­zte Anzahl an unbe­fris­teten Stellen; Angestellte ein­er Großkan­zlei streben nach Teil­haber­schaften; und Profis­portler kämpfen um Nation­alti­tel. In diesen Sit­u­a­tio­nen basieren die Beloh­nun­gen auf rel­a­tiv­er Leis­tung. Beispiel­sweise richtete der ehe­ma­lige Vor­standsvor­sitzende von Gen­er­al Elec­tric, Jack Welch, ein 20 – 70-10“-Programm ein, in welchem die besten 20% der Mitar­beit­er belohnt und die unteren 10% aus­geson­dert“ wur­den. Auch viele andere Fir­men, wie 3M, Bloomingdale’s, Proc­ter & Gam­ble, IBM, Dig­i­tal, John­son & John­son, Gen­er­al Motors, und Hewlett-Packard nutzen den Wet­tbe­werb zwis­chen ver­schiede­nen Teams und inner­halb eines Teams zur Moti­va­tion der Mitarbeiter.

Verknüp­fung der Dat­en
Brown analysierte die Frage, wie viele Men­schen im Wet­tbe­werb mit einem Super­star reagieren mith­il­fe von Dat­en aller Spiel­er in jedem Tournier der Pro­fes­sion­al Golfer’s Asso­ci­a­tion (PGA) im Zeitraum von 1999 bis 2006. Sie holte sich zudem lochspez­i­fis­che Infor­ma­tio­nen für alle Tourniere im Zeitraum von 2002 bis 2006 ein. Ein­er der Gründe, weshalb Brown die PGA-Dat­en wählte ist die Tat­sache, dass es im Golf­s­port einen unange­focht­e­nen Super­star, näm­lich Tiger Woods, gibt, der seine näch­sten Konkur­renten während sein­er besten Zeit mit Abstand über­holte. Gemäß Golf Digest, Tiger been­dete das Jahr 2007 mit 19.62 Punk­ten in der Golf-Wel­tran­gliste, d.h. mit mehr als der dop­pel­ten Punk­tzahl seines näch­sten Rivalen. Das bedeutet, dass er let­ztes Jahr genug Punk­te hat­te um sowohl Nr. 1 als auch Nr. 2 zu sein. Hätte man seine Tournier­ergeb­nisse aus dem Jahr 2007 auf zwei Spiel­er aufgeteilt — Tiger A und Tiger B — wären bei­de immer noch bess­er gewe­sen als Phil Mickelson.”

Brown betra­chtet das pro­fes­sionelle Golf­spiel als einen exzel­len­ten Rah­men zur Erforschung von Tournierthe­o­rie und Super­stars in ein­er Ran­gord­nung, da die Anstren­gun­gen in rel­a­tiv direk­tem Ver­hält­nis zu den Punk­tzahlen ste­hen und die Leis­tungser­mit­tlung nicht von Grup­pen­dy­namik bee­in­flusst wird“. Beispiele zur Art und Weise, auf die Profi-Golfer ihren Ein­satz erhöhen oder ver­ringern kön­nen, bein­hal­ten Übungss­chläge auf ein­er Dri­ving-Range, Übungs-Spiel­run­den und eine Studie des Ablaufs vor dem Tournier. Außer­dem kann ein Spiel­er während dem Tournier beson­ders auf das Ver­hal­ten des Balls am Boden oder am Ziel, auf den Ein­fluss von Wit­terungsver­hält­nis­sen oder die Klubauswahl acht­en. All dies sind Aktiv­itäten, die großem Aufwand bedür­fen und die zu ein­er Leis­tungssteigerung führen. Tat­säch­lich macht die enge Beziehung zwis­chen Anstrengung/​Einsatz und Leis­tung die Golf-Dat­en beson­ders passend für diese Studie“, erk­lärt Brown. 

Zusät­zlich bieten Golf­tourniere einen Rah­men, in dem sich poten­tielle Ein­flussfak­toren kon­trol­lieren lassen. Das Gute am Golf ist, dass Infor­ma­tio­nen zu Wet­ter, Spiel­rasen, Kon­di­tion, Leis­tungs­fähigkeit des Feldes, etc., ver­wen­det wer­den kön­nen um Fak­toren zu kon­trol­lieren, welche die Leis­tung der Spiel­er bee­in­flussen“, sagt Brown. Da Woods nicht immer auf dem­sel­ben Platz spielt, kann ich die Leis­tung eines einzel­nen Spiel­ers beobacht­en wenn Wood dort ist und das Ergeb­nis mit der Punk­tzahl ver­gle­ichen, die der Spiel­er erzielt wenn Woods abwe­send ist.“

Der Super­star-Effekt
Brown fand her­aus, dass Golfer, die mit Woods konkur­ri­eren, eine schlechtere Punk­tzahl als son­st erzie­len. Sie fand her­aus dass die durch­schnit­tliche Erstrun­den-Punk­tzahl für PGA-Spiel­er unge­fähr 0,2 Schläge höher ist wenn Woods teil­nimmt, ver­glichen mit der Punk­tzahl, die in Woods’ Abwe­sen­heit erzielt wird. Der gesamte Super­star-Effekt“ beträgt unge­fähr 0,8 Schläge in einem ganzen Vier-Run­den-Tournier. Außer­dem nimmt der nachteilige Super­star-Effekt zu wenn Woods gut spielt und ab, wenn Woods Leis­tung schwäch­er ist.

Brown unter­suchte den Super­star-Effekt sowohl an freigestell­ten Spiel­ern, die sich automa­tisch für alle PGA-Tourniere qual­i­fizieren und nicht freigestell­ten Spiel­ern, die sich für jedes einzelne Tournier qual­i­fizieren müssen. Die PGA hat einen kom­plizierten Prozess zur Ausstel­lung von Freis­tel­lun­gen einge­führt, aber im All­ge­meinen erhal­ten neue Tourniergewin­ner und Golfer, die in der ver­gan­genen Sai­son die oberen 125 Posi­tio­nen der Gesamt­punk­teliste beset­zten, den Freis­tel­lungssta­tus. Freigestellte Spiel­er sind daher typ­is­cher­weise tal­en­tiert­er als nicht freigestellte Golfer.

Brown fand her­aus, dass freigestellte Spiel­er bei Tournieren, an denen Tiger Woods teil­nimmt, im Durch­schnitt einen Schlag höher (schlechter) spie­len als in Tournieren, die Woods über­springt. Ich finde dass sie sog­ar in dieser ersten Runde schlechter spie­len“, bemerkt Brown. Der Effekt hält während allen Tournieren an“. Sie kommt zu dem Schluss, dass der Unter­schied zus­tande kommt weil die Konkur­renten ihre Anstren­gung in den Sit­u­a­tio­nen herun­ter­schrauben, wo sie glauben dass Woods mit Sicher­heit gewin­nen wird.“

Um die wirtschaftlichen Auswirkun­gen des Super­star-Effek­ts in der PGA darzustellen rech­nete Brown den Betrag aus, um den Woods’ Ver­di­enst ver­ringert wor­den wäre wenn seine Konkur­renten genau­so gut wie immer gespielt hät­ten als Woods am Wet­tbe­werb teil­nahm. Dazu errech­nete sie erneut, wie die Verteilung der Preise aus­ge­se­hen hätte, wenn die Punk­tzahl aller freigestell­ten Spiel­er im Wet­tbe­werb gegen Woods einen Schlag niedriger (bess­er) gewe­sen wäre. Ihre Berech­nun­gen deuten an, dass Woods’ PGA-Tourver­di­enst zwis­chen 1999 und 2006 von $48,1 auf $43,2 Mil­lio­nen gefall­en wäre wenn die Leis­tung sein­er Konkur­renten nicht unter dem Super­star-Effekt gelit­ten hätte.“

Brown fand keine Indizien dafür, dass der Punk­te­un­ter­schied auf riskan­tere Strate­gien der Spiel­er, wie beispiel­sweise aggres­sives Vorge­hen, zurück­zuführen ist wenn sie stattdessen einen kon­ser­v­a­tiv­en Schlagstil wählen kön­nen. Außer­dem sagt sie, dass es keine sta­tis­tisch rel­e­van­ten Beweise dafür gibt, dass sich andere Spiel­er von Woods eingeschüchtert fühlen. Brown fol­gert, dass andere Spiel­er ein­fach nicht genug um einen Sieg kämpfen wenn Woods mit­spielt. Diese These wird vom Ver­schwinden des Super­star-Effek­ts in Fällen, in denen Woods die Erwartun­gen nicht erfüllt, unter­mauert: Wenn Tiger in ein­er Krise ist oder einen schlecht­en Tag hat bee­in­flusst seine Präsenz in einem Tournier seine Konkur­renten nicht mehr. Wenn er allerd­ings sehr gut spielt stellen wir diesen nachteili­gen Effekt auf die Leis­tung der anderen Spiel­er andauernd fest“.

Sie stellte fest, dass mehrere PGA-Tour­spiel­er sagten, sie wären von meinen Forschungsergeb­nis­sen nicht über­rascht, obwohl wenige von ihnen behaupteten, dass sie sich eher zu sehr anstrengten’ als nicht genug anstrengten’“. Sie sagte zudem, Dies ist wahrschein­lich in jedem durch­schnit­tlichen’ geschäftlichen Kon­text, wo Man­ag­er sich im All­ge­meinen eher für die Gesamtleis­tung des Mitar­beit­ers und nicht für die Gründe eine Beein­träch­ti­gung von dessen Leis­tung inter­essieren, weniger relevant.“ 

Der Super­star-Effekt ist nicht ein­fach ein Ergeb­nis weniger, beson­ders empfind­lich­er Spiel­er, welch­es die Erken­nt­nisse durch beson­ders schlechte Punk­tzahlen verz­er­rt. Obwohl manche Spiel­er niedrigere (bessere) Punk­tzahlen erzie­len wenn Woods anwe­send ist, erzie­len die meis­ten Spiel­er höhere Punk­tzahlen. Allerd­ings wer­den nur Woods’ reale Konkur­renten vom Super­star-Effekt heimge­sucht. Die Leis­tung der nicht freigestell­ten Spiel­er, von denen die meis­ten keine reelle Chance auf einen Tournier­sieg haben, bleibt sta­tis­tisch unverän­dert (Siehe Tabelle 1).

Tabelle 1: Durch­schnit­tliche Punk­tzahlen im Ver­hält­nis zum Wert füuuml;r Tourniere mit und ohne Tiger Woods

Anmerkung: Die Werte in Klam­mern sind Stan­dard­ab­we­ichun­gen. Nur Punk­tzahlen von Spiel­ern, welche die Gewinnstufe erre­icht haben, sind enthal­ten. Regelmäßige und große Ereignisse sind enthal­ten; Kle­in­feld- und wech­sel­nde Ereignisse sind enthal­ten. Mit Tiger Woods“ bedeutet, dass Woods im Tournier mit­ge­spielt hat, während Ohne Tiger Woods“ nur Tourniere bein­hal­tet, in denen Woods nicht mit­spielte. Freigestellte“ Spiel­er qual­i­fizieren sich automa­tisch für GAG-Tour­ereignisse. Nicht freigestellte“ Spiel­er müssen sich für einzelne Spiele qual­i­fizieren; Punk­tzahlen für Tiger Woods sind nicht enthalten.

Brown hat zudem die Möglichkeit aus­geschlossen, dass Golf­platz­be­treiber ihre Plätze Tiger-resistent“ gestal­ten, d.h. den Par­cours schwieriger machen, wenn Woods auf dem Feld ist. Sie erk­lärt, An diesem Punkt ist der Unter­schied zwis­chen freigestell­ten und nicht freigestell­ten Spiel­ern“ essen­tiell. Wenn ein Par­cours schlichtweg schwieriger ist, würde man erwarten, dass sowohl tal­en­tierte als auch weniger tal­en­tierte Spiel­er unter den Auswirkun­gen von Woods’ Anwe­sen­heit lei­den – weniger tal­en­tierte Spiel­er kön­nten sog­ar stärk­er betrof­fen sein. Stattdessen bleibt die Leis­tung der weniger tal­en­tierten Spiel­er schein­bar vom Super­star unberührt.“

Tournier­ar­tige Beloh­nung­spro­gramme — Bitte Beacht­en
Die Auswirkun­gen des Super­star-Effek­ts gehen weit über die PGA-Tour hin­aus und lassen wichtige Ein­blicke in bre­it­ere Ein­stel­lungs-, Vergü­tungs- und Man­age­mentstrate­gien zu. Brown merkt an, dass Fir­men, die tournier­ar­tige Beloh­nung­spro­gramme anwen­den, ver­ste­hen, dass Begabung­sun­ter­schiede inner­halb der Belegschaft sowohl wesentlich die Effek­tiv­ität solch­er Pro­gramme als auch die Gesamtleis­tung der Arbeit­nehmer beein­trächti­gen können.

Wenn Sie einen Super­star in Ihrem Büro haben und dem leis­tungsstärk­sten Mitar­beit­er einen großen Preis ver­lei­hen wer­den, und wenn jed­er Andere im Büro von Anfang an weiß wer das Ren­nen gemacht hat, kön­nten die restlichen Mitar­beit­er ihre Anstren­gung reduzieren. Sie denken möglicher­weise Warum soll ich mich auf einen Wet­tbe­werb ein­lassen, den ich mit großer Sicher­heit ver­lieren werde?““.

Hen­ry Ford sagte einst: Egal ob du denkst, du schaffst es, oder du schaffst es nicht — du hast immer recht.” Brown warnt vor unab­sichtlich­er Zer­mür­bung von Arbeit­nehmern indem Konkur­renz erwartet wird obwohl sie denken, dass der Sieger schon fest­ste­ht oder dass sie aus ihrer Liga aus­geschlossen sind. Anstatt Per­so­n­en gegeneinan­der anzus­tacheln wenn es einen klaren Super­star gibt, kann es laut Brown nüt­zlich­er sein, ein anderes Anreizschema mit ver­schiede­nen Preisen oder gle­ich­w­er­ti­gen Teams auszuar­beit­en. Zusam­men­fassend stellt sie fest, dass es in jedem Fall ein wichtiger Schritt ist, den Ein­fluss von Super­stars einzuschätzen um klare Erken­nt­nisse zur best­möglichen Gestal­tung von wet­tbe­werb­s­fördern­den Anreizen zu erreichen.“

Featured Faculty

Jennifer Brown

Member of the Strategy Department faculty until 2014

About the Writer

Beverly A. Caley, JD, is a freelance science writer based in Corvallis, Oregon.

About the Research

Brown, Jennifer. 2011. Quitters Never Win: The (Adverse) Incentive Effects of Competing with Superstars. Journal of Political Economy, 119(5): 982-1013.

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